FIZE Dialoge

Ideen. Erfahrungen. Perspektiven

FIZE versteht internationale Zusammenarbeit als Dialog - auch mal im kleinen regional vor Ort. Deshalb schaffen wir Räume für Begegnung, Diskussion und gemeinsamen Wissenstransfer - digital und in gewohnter Manier in einem persönlichen Zusammentreffen. Auf dieser Seite finden Sie Ankündigungen und Berichte aus unseren Projekten, Veranstaltungen und fachlichen Diskussionen.

Aus unseren Projekten

Am Anfang steht selten die Lösung

 

Große Herausforderungen wirken oft überraschend einfach – solange man sie nur aus der Distanz betrachtet. Wer sich jedoch ernsthaft mit Themen wie Wiederaufbau, Fachkräftesicherung, Bildung, Migration oder gesellschaftlicher Entwicklung beschäftigt, erkennt schnell, dass sich dahinter komplexe Zusammenhänge verbergen. Viele dieser Themen lassen sich nicht isoliert betrachten. Sie greifen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig.

 

Auch der Weg zur Initiative MICT UA begann nicht mit einem fertigen Konzept. Am Anfang stand vielmehr die Frage, wie junge Ukrainerinnen und Ukrainer, die seit mehreren Jahren im Ausland leben, langfristig mit der Zukunft ihres Heimatlandes verbunden bleiben können. Je intensiver wir uns mit dieser Frage beschäftigten, desto deutlicher wurde, wie viele unterschiedliche Perspektiven und Akteure dabei eine Rolle spielen. Universitäten, Unternehmen, Verwaltungen, internationale Partner und nicht zuletzt die jungen Menschen selbst betrachten dieselbe Herausforderung aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die eigentliche Aufgabe bestand daher zunächst nicht darin, Lösungen zu entwickeln, sondern Zusammenhänge zu verstehen, Erfahrungen auszuwerten und eine Struktur in ein komplexes Themenfeld zu bringen.

 

 

In dieser Phase erwies sich die Beschäftigung mit bestehenden Modellen als besonders wertvoll. Einen wichtigen Impuls lieferte dabei das von Prof. Dr. Matthias Schenkel und seinem Team entwickelte Programm StartDual.international der DHBW Karlsruhe. Das Programm verbindet Sprachförderung, praktische Tätigkeit, Bildungswege und organisatorische Begleitung zu einem integrierten Gesamtansatz für internationale Nachwuchskräfte. Die Auseinandersetzung mit diesem Modell führte zu einer entscheidenden Frage: Welche Elemente eines erfolgreichen Integrationsprogramms lassen sich auf die Herausforderungen der Ukraine übertragen? Nicht als Kopie, sondern als strukturelle Inspiration.

 

Aus dieser Überlegung entstand Schritt für Schritt die Idee, die Grundlogik umzudrehen. Statt junge Menschen für einen Weg nach Deutschland zu begleiten, rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie junge Ukrainerinnen und Ukrainer nach Jahren im Ausland wieder an ihr Heimatland herangeführt werden können. Wie können Sprache, kulturelle Verankerung, berufliche Perspektiven und gesellschaftliche Integration so miteinander verbunden werden, dass Rückkehr zu einer realistischen und attraktiven Zukunftsoption wird?

 

Gerade diese Such- und Lernphase wird häufig unterschätzt. Bevor Projekte entstehen können, müssen Informationen gesammelt, bestehende Erfahrungen analysiert und unterschiedliche Sichtweisen zusammengeführt werden. Oft ist bereits die Orientierung innerhalb eines komplexen Themenfeldes ein wichtiger Fortschritt.

 

MICT UA ist das Ergebnis eines solchen Entwicklungsprozesses. Die Initiative versteht sich daher nicht als fertige Antwort auf alle Fragen, sondern als ein strukturierter Ansatz, der gemeinsam mit Partnern weiterentwickelt werden soll. Denn nachhaltige Lösungen entstehen selten im Alleingang. Sie entstehen dort, wo Erfahrungen, Kompetenzen und Perspektiven miteinander in den Dialog treten.

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